12 Okt

Bai Hao Yin Zhen – Weißhaariger Silbernadel-Tee aus Fuding

Heute durfte ich Bekanntschaft schließen mit einem Bai Hao Yin Zhen aus der Stadt Fuding, nahe der Küste ganz im Norden der Provinz Fujian. Im Englischen wird der Tee als Silver Needle bezeichnet, was man auch bei uns oft in den Shops lesen kann. Weil es aber so schön poetisch klingt, nehme ich die deutsche Übersetzung “Weißhaariger Silbernadel”-Tee.

Was macht Bai Hao Yin Zhen so besonders?

Der Silbernadel-Tee wird häufig zu den 10 besten Tees Chinas gezählt und ist der hochwertigste unter den weißen Tees. Wie ich heute im Rahmen der Vorbereitung auf die Verköstigung lesen konnte, gibt es zwei Hauptsorten des Silbernadel-Tees: Fuding Da Bai und Zhenghe Da Bai, benannt nach der Herkunft aus Fuding oder der etwa 100km weiter westlich liegenden Stadt Zhenghe. Die Varietät aus Fuding, die mir heute in die Tasse kam, ist dafür bekannt, einen helleren Aufguss zu produzieren und im Geschmack deutlich leichter zu sein.

Die Besonderheit des weißhaarigen Silbernadel-Tees ist, dass nur die Blattknospen verarbeitet werden, also die noch ungeöffneten Blätter, die mit feinen, silbrig schimmernden Härchen bewachsen sind – daher der Name. Die Blattknospen werden bei der weiteren Verarbeitung nur gewelkt und getrocknet, aber nicht gerollt oder gepresst wie die meisten Grüntees. Da ausschließlich die ungeöffneten Knospen verwendet werden, ist der Tee sehr mild und braucht auch deutlich längere Ziehzeiten, um sein feines Aroma zu entfalten.

So, genug des Vorgeplänkels! Schauen wir uns mal an, was ich da zum Testen bekommen habe:

Weißhaar-Silbernadel Tee aus Fuding

Im Foto oben ist schön zu erkennen, dass hier ausschließlich die Blattknospen für den Tee verarbeitet wurden, und der namengebende silbrig glänzende Flaum ist nicht zu übersehen. Die Knospen sind überwiegend von sehr ähnlicher Größe so um zwei bis drei Zentimeter und nahezu unversehrt. Sie strömen einen sehr feinen Duft nah an der Wahrnehmungsgrenze aus, der leicht blumig ist. Auf der Hand fühlen sie sich sehr samtig an.

Laut Hersteller wurde der Tee Ende März geerntet, das wäre dann wohl ein First Flush. Was mich etwas wundert ist die relativ dunkle Farbe der Blätter, von denen einige schon ins bräunliche gehen. Hier hatte ich eigentlich mit helleren Farbtönen gerechnet.

So, dann wollen wir den Tee mal aufgießen!

Schön zu sehen die kleinen Haare des Silbernadel-Tees

Eine der Besonderheiten des weißhaarigen Silbernadel-Tees hängt mit den kleinen Härchen zusammen, denn die lösen sich beim Aufgießen und sind im Tee sichtbar. Besonders gut sieht man das im obigen Foto vom Aufguß im Glas, aber auch unten in der Tasse kann man die winzigen Haare erkennen.

Den Silbernadel-Tee kann man deutlich länger aufgießen als andere Tees, ich habe verschiedene Aufgüsse ausprobiert und erst bei deutlich mehr als 5 Minuten eine etwas unangenehme Bitterkeit bemerkt. Laut Hersteller kann man den Tee auch heißer aufgießen als ich es normalerweise mit einem weißen oder grünen Tee machen würde. Ich habe daher für den Aufguss im Glas Wasser mit fast 90°C verwendet und das war tatsächlich kein Problem.

Der Silbernadel-Tee in der Tasse

Der fertige Tee-Aufguss ist außerordentlich hell und klar – wie ich es laut Beschreibung der Fuding-Varietät erwartet hatte. Das Aroma war ganz leicht, unaufdringlich und weich mit süßlichen, etwas an Zuckermelone erinnernden, aber sehr erfrischenden Tönen. Trotz des zarten Geschmacks war der Tee aber voll und gut abgerundet mit einem angenehmen Nachgeschmack. Mir hat dieser Weißhaar-Silbernadel Tee sehr gut geschmeckt!

Ich habe dann noch mit verschiedenen Aufgüssen experimentiert und hatte da dann allerdings den Eindruck, dass die Kraft der Knospen doch schnell nachlässt. Die ersten zwei Aufgüsse waren sehr gut, aber ab dem dritten hat er doch stark abgebaut.

Die aufgegossenen Knospen – siehe Foto unten – waren sehr elastisch, ich konnte sie ohne Probleme aufrollen und öffnen. Dabei fühlten sie sich dick und weich an, aber auch sehr samtig.

Die aufgegossenen Silbernadel-Blätter

Fazit

Ein toller Tee mit sehr rundem, süßlich-zartem Geschmack der auch jenseits des eigentlichen Trink-Erlebnisses viel bietet durch seine ungewöhnliche Haptik und das besondere Aussehen. Das Aufgießen im Glas kann ich nur empfehlen, dem Spiel der flaumigen Härchen zuzusehen ist wirklich wunderschön und es hat schon fast etwas Hypnotisierendes! Zum absoluten Spitzentee scheint aber doch noch ein Tick zu fehlen, darauf deuten die zahlreichen Bruchstücke neben den wirklich sehr schön verarbeiteten Blattknospen hin.

 

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